Kulturdenkmal "Schießhaus der Büchsenschützengesellschaft mit Freifläche"

Überlegungen zu einem gartendenkmalpflegerischen und nutzungsorientierten Pflegekonzept für die bestehende Gesamtfläche von 7,9 ha


Nach § 7(1) ThürDSchG i.d.F. 2004 sind die Pflichten für den/die Eigentümer bzw. Besitzer des Kulturdenkmals
hinsichtlich der Erhaltung/Pflege geregelt. Danach besteht die Verpflichtung, das Kulturdenkmal „im Rahmen
des Zumutbaren denkmalgerecht zu erhalten und pfleglich zu behandeln“. Diese Verpflichtung wurde in der
jüngeren Vergangenheit eindeutig und sichtbar nicht erfüllt. Das gesamte Gelände ist bis heute der
Verwahrlosung und natürlichen Sukzession (insbesondere Verbuschung) überlassen.

Erhöhte Kosten für Erhaltungsmaßnahmen können nicht als Begründung für deren Nichtdurchführung aufgrund
einer unzumutbaren Kostenbelastung angeführt werden (§ 7(1)).

Das Gesamtgelände ist teilweise umzäunt. Öffentlicher Zugang ist möglich, Spaziergänger halten sich dort auf.
Insoweit stellt sich bereits jetzt die Pflicht zur Herstellung und Erhaltung der Verkehrssicherheit der
begehbaren Flächen (Wege und Pfade) und der Vegetationsstruktur (insbesondere Altbaumbestand).

Das laufende und auf eine intensive städtebauliche Nutzung durch Bebauung zielende Bauleitplanverfahren ist im Ergebnis noch offen.
Somit kann der praktische pflegerische Umgang mit den Freiflächen noch nicht abschließend geklärt werden.
Erforderlich ist jedoch ein vorläufiges Rahmenpflegekonzept, welches als praktische Handlungsgrundlage bis zur
verbindlichen Festlegung der zukünftigen Entwicklung geeignet ist und das einen weiteren Substanzverfall verhindern kann.

Grundlage für ein Pflegekonzept sollte eine allgemeine öffentliche und disponible Freiflächennutzung als
Zwischennutzung bis zur dauerhaften Festlegung eines Nutzungskonzepts sein. Hierfür bedarf es keiner Veränderung der
Grundstruktur des Geländes und keiner speziellen und funktionsbezogenen Ausstattung und damit keiner speziellen Kosten.
(Es wären lediglich einige Bänke und Papierkörbe zu empfehlen). Das Pflegekonzept geht vom derzeitigen Flächenbestand aus
und versucht, dessen Erhaltung und öffentliche Nutzbarmachung mit möglichst geringem Kostenaufwand zu erreichen.

Das Gelände könnte auch jetzt schon temporäre Freiraum-Veranstaltungen ermöglichen, z. B. Ausstellungen der Bauhaus-Universität
(nicht aber Lärm verursachende und bauliche Installationen erfordernde Veranstaltungen).

Neben der Zugänglichkeit des Geländes ist auch dessen funktionale Verknüpfung mit dem Umfeld wesentlich,
insbesondere mit dem Freiraumwegesystem, um den Zugang von der Stadt und weitere Wegeverbindungen
zur Ilm und in Richtung Tiefurt herzustellen. Wesentliche Nutzungen könnten Spazierengehen und Naturerlebnis sein.

Das gartendenkmalpflegerische und nutzungsorientierte Pflegekonzept bedarf räumlich, sachlich und zeitlich einer naturschutzrechtlichen Abstimmung.

Das Pflegekonzept besteht aus zwei Teilen: 1. einmalige Grundpflege; 2. laufende Pflege.

Das Pflegekonzept kann relativ kurzfristig auf der Grundlage der (nicht optimalen) Bestandsunterlagen und
einer nochmaligen Geländebegehung erstellt werden. (Der Verfasser könnte dies als vorläufiges
Rahmenkonzept ehrenamtlich bearbeiten). Damit könnte das Gelände zeitnah der Öffentlichkeit zur Verfügung
gestellt werden und könnte den Befürchtungen nicht finanzierbarer Kosten begegnet werden.

Ein gartendenkmalpflegerisches und nutzungsorientiertes Pflegekonzept muss in Verbindung stehen zu einem
baudenkmalpflegerischen und nutzungsorientierten Instandsetzungs- und Bauunterhaltungskonzept für das
Schießhausgebäude und dessen unmittelbares Umfeld.

Erforderlich ist ein sachlich und räumlich übergreifendes Gesamtkonzept, welches für die Eigentümer bzw.
Besitzer des Kulturdenkmals rechtlich verbindlich und damit verpflichtend gemacht werden sollte (vertragliche Regelungen).

Prof. Dipl.Ing. Frank Blecken Gartenhistoriker und Gartendenkmalpfleger 19.05.11

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Zuletzt geändert: 2017/07/03 07:27