Denkmalbegründung
Blick aus Richtung Tiefurt Mit der nachfolgenden Denkmalbegründung wurde vom Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie die Denkmalausweisung des Schießhausgeländes als Kulturdenkmal begründet.

Am Schießhaus 1, Schießhaus der Büchsenschützengesellschaft mit Freifläche
Das nahe der Tiefurter Allee gelegene ehemalige Schießhaus der Weimarer Büchsenschützen entstand zu Anfang des 19. Jahrhunderts. Das Grundstück war der Gesellschaft, die seit dem 16. Jahrhundert in WeimarBlick aus Richtung Tiefurt nachweisbar ist, von Herzog Carl August als Ersatz für das einstige Übungsgelände hinter der Hofgärtnerei (siehe Band 1, Marienstraße 17, Liszthaus) übertragen worden, nachdem jenes 1786 für die Erweiterung des Parks an der Ilm aufgegeben werden musste. Erste Pläne für das neue Gesellschaftslokal fertigte der Baukondukteur Christian Heinrich Schlüter. Auf Empfehlung Goethes wurde Heinrich Gentz aus Berlin hinzugezogen, der zu dieser Zeit wegen des Schlossbaus in Weimar weilte. Dieser lieferte noch am Tage seiner Abreise aus Weimar, dem 8. August 1803, einen Entwurf. Der in demselben Jahr weitgehend fertig gestellte Bau wurde im Januar 1804 durch Brand zerstört, so dass sich seine Vollendung verzögerte und die Einweihung erst am 14. Juli 1805 stattfinden konnte. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wurden auf dem westlichen, als Trocken- und Turnplatz genutzten Freigelände Baracken errichtet. Sie dienten um 1930 der Unterbringung von Obdachlosen; später befanden sich hier Einrichtungen der Polizei. Sie wurden zwischenBlick aus Richtung Tiefurt 2006 und 2008 abgebrochen. Das Schießhaus als Kern der ausgedehnten Anlage ist in der Form einer antiken Exedra konzipiert, die sich nach Westen zu einem Vorplatz als architektonischem Wirkungsraum öffnet. Dem exponierten Mittelbau schließen sich zwei niedrige, im Grundriss viertelkreisförmige Seitenarme an, die jeweils in würfelförmigen Kopfbauten enden. Durch das mäßige Gefälle des Bauplatzes zur Ilm hin konnte unter dem nördlichen Seitenarm ein Gewölbekeller angeordnet werden, der als Souterrain auch am Außenbau in Erscheinung tritt. Die Flügelbauten sind über Arkaden mit achteckigen Pfeilern zum Vorhof hin öffnet. Das Schießhaus als Kern der ausgedehnten Anlage ist in der Form einer antiken Exedra konzipiert, die sich nach Westen zu einem Vorplatz als architektonischem Wirkungsraum öffnet. Ein großes, radial geteiltes Halbrundfenster am Giebeldreieck des Mittelbaus betont den Haupteingang und zugleich die axialsymmetrische Konzeption der Gesamtanlage. Ihr entsprach auch die Freiraumgestaltung: Die Mitte bildet eine große Grünfläche, die einerseits nach Norden durch eine bereits bestehende vierreihige Allee, andererseits durch eine Böschung nach Süden begrenzt wird. Sie ermöglicht den Blick auf das Schießhaus, gibt diesem den erforderlichen Wirkungsraum, und erlaubt zugleich die Sicht auf die Stadt und den Turm der Stadtkirche (vgl. Blaufuß-Plan von 1818/22). Die Raumfolge im Inneren hat ihr Zentrum in dem mit einer halbrunden Holztonne ausgestatteten großen Gesellschaftssaal im Mittelbau. Die verputzte Tonnenkonstruktion ruht auf einem Gebälk, das laut undatierten, vor 1892 gefertigten Plänen zu beiden Seiten von jeweils acht kannelierten dorischen Holzsäulen getragen wurde. Anzahl und Stellung derselben wurden 1905 durch Beseitigung der südlichen Saalwand verändert. Die Interkolumnien öffneten sich ursprünglich zu schmalen, ehemals im Unterschied zum Saalfußboden erhöhten Gängen. Erreichbar waren diese über Stufen, die an den Korridoren zu den an den Langseiten grenzenden Räumen (Fürstenzimmer, Gelber Saal) angeordnet waren. Eine Konche schließt den Saal an seiner östlichen Schmalseite ab und wird durch eine Reihe tief herabgezogener Fenster belichtet. Ihr gegenüber ist unmittelbar über dem Haupteingang, , eine Empore angeordnet. Eine dekorative Ausmalung, die u. a. aus einem Girlandenfries am Gebälk, einer großteiligen Felderung an der Decke und einem Velum an der Kuppel bestand, unterstützte die festliche Wirkung des Raumes. In den Seitenarmen befinden sich weitere Säle, darunter im südlichen das so genannte Domino-Zimmer, ein längsovaler Raum, dessen flache Decke über einer umlaufenden Voute ansetzt und ein zartes, 1908 gefertigtes Stuckrelief aus klassizistischen Ornamentbändern besitzt. Bei Umbauten um 1905 und nach 1945 wurde die Raumdisposition in unterschiedlichem Maße verändert und die wandgebundene Ausstattung großenteils erneuert. Die ehemaligen Schießbahnen östlich des Vereinshauses sind nicht erhalten geblieben.

Quellen: BAA Weimar, Bauakte Am Schießhause 1 und Planmappe 55.

Literatur: Jericke/Dolgner 1975, S. 172-175. – Ewald 1998, S. 156-159, 416 f. – Günther/Huschke/Steiner 1998, S. 67 (Büchsenschützengesellschaft). – Wittwar 2007.

Anmerkung der Bügerinitiative
Besonders der rot gekennzeichnete Bereich in der Denkmalbegründung verdeutlicht, dass in Weimar das gesamte Schießhausgelände, Flur 23, Flurstück 11/6 unter Denkmalschutz steht.

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Zuletzt geändert: 2017/07/03 07:27